Michal Viewegh

Michal Viewegh

Ich wurde am letzten Märztag 1962 in Prag geboren. Meine Mutter war keine zwanzig Jahre alt: sie hatte gerade ihr Jurastudium begonnen, spielte als Laiendarstellerin im Theater Divadlo na Vinohradech und war in ihrer Freizeit in Beckett und Ionesco vertieft. Mein Vater studierte an der Universität für Chemie und Technologie in Prag das Fach Silikate, spielte jedoch am liebsten Basketball. Er hatte meiner Mutter so lange vorgegaukelt, dass er ihre Leidenschaft für Kultur teilt, bis sie ihn schließlich geheiratet hat. Doch schon bald stellte sich heraus, dass seine Kulturaffinität nur vorgetäuscht war und dass er eigentlich keinen Beckett zum Leben braucht – im Unterschied zu der Kavalierglass AG, seinem Arbeitgeber. Meine Kindheit und Jugend musste ich daher in der kleinen Provinzstadt Sázava verbringen. Ich hatte in allen acht Grundschulstufen nur Einser im Zeugnis und trug ab der dritten Klasse außerdem eine Brille, also wurde ich aus verständlichen Gründen zu keinem der späteren Klassentreffen eingeladen. Mit vierzehn hat mich mein Vater, dessen Erziehung von klein auf autoritär ausgerichtet war (wenn ich mir heute meine damaligen Fotografien ansehen, kann ich es ihm nicht verübeln), von sich aus für das Gymnasium in Benešov bei Prag angemeldet, wo jedes neue Schuljahr mit dem Vortragen der Internationale begonnen wurde. Zu meinen damaligen Interessen gehörten insbesondere Kartenspiele, Tischtennis in der ungeheizten Aula des Gymnasiums (unter reproduzierten Lenin-Portraits) und Masturbation, begleitet von den charakteristischen Gefühlen der Scham und des schlechten Gewissens. Nach dem Abitur habe auch ich im Zuge meiner unentschuldbaren Ratlosigkeit begonnen, das Fach Politische Wirtschaft des Sozialismus zu studieren; zum Glück gab ich nach drei Semestern auf und ließ mich als Nachtwächter einstellen. Die Erinnerung an zwei geglückte Aufsätze im Gymnasium (Ferienerzählung und Beschreibung eines Arbeitsvorgangs) brachte mich zum Entschluss, Schriftsteller zu werden. Im Zeitraum 1983–1988 studierte ich unter der freundlichen Aufsicht mehrerer marxistischer Literaturwissenschaftler an der Philosophischen Fakultät der Karlsuniversität Prag Pädagogik, Tschechische Sprache und Literatur.   Nach meinem Wehrdienst trat ich im Oktober 1989 in Zbraslav meine Stelle als Grundschullehrer an. Das Unterrichten machte mir Spaß – zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als ich vom Schuldirektor erfahren habe, dass das Theaterspiel, welches ich für die Zwecke der Schulakademie geschrieben hatte, ein versteckter Angriff auf die Werte der jungen kapitalistischen Republik sei. Ich habe meine Kündigung eingereicht und trat als Redakteur im damals noch renommierten Verlag Československý spisovatel in der Straße Národní třída in Prag an. 1995 habe ich mich dann selbstständig gemacht – und ich hoffe, dass ich es auf diesem Weg bis zur Pension schaffen werde.

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Bücher

Názory na vraždu (1990)

Báječná léta pod psa, 1992 (deutsch: Blendende Jahre für Hunde)

Nápady laskavého čtenáře (1993)

Výchova dívek v Čechách, 1994 (deutsch: Erziehung von Mädchen in Böhmen)

Účastníci zájezdu (1996)

Zapisovatelé otcovské lásky, 1998 (deutsch: Die Liebe eines Vaters)

Povídky o manželství a o sexu, 1999 (deutsch: Geschichten über Sex und Ehe)

Nové nápady laskavého čtenáře (2000)

Švédské stoly aneb Jací jsme (2000)

Román pro ženy, 2001 (deutsch: Roman für Frauen)

Báječná léta s Klausem (2002)

Případ nevěrné Kláry, 2003 (deutsch: Der Fall untreue Klára)

Na dvou židlích (2003)

Vybíjená, 2004 (deutsch: Völkerball)

Lekce tvůrčího psaní (2005)

Báječný rok /Deník 2005/ (2006)

Andělé všedního dne, 2007 (deutsch: Engel des letzten Tages)

Krátké pohádky pro unavené rodiče (2007)

Román pro muže (2008)

Povídky o lásce, 2009 (deutsch: Zeitweiliger Orientierungsverlust, Liebesgeschichten)

Biomanželka (2010)

Mafie v Praze, 2011 (deutsch: Die Mafia in Prag)

Další báječný rok (2011)

Mráz přichází z Hradu (2012)

Můj život po životě (2013)

Eine Vielzahl seiner Werke wurden übersetzt.

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Theaterstücke

Růže pro Markétu aneb Večírky revolucionářů (2004)

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Filme

Báječná léta pod psa, 1998 (deutsch: Blendende Jahre für Hunde)

Výchova dívek v Čechách, 1998 (deutsch: Erziehung von Mädchen in Böhmen)

Román pro ženy, 2005 (deutsch: Roman für Frauen)

Účastníci zájezdu (2006)

Nestyda (2008)

Případ nevěrné Kláry, 2009 (deutsch: Der Fall untreue Klára)

Román pro muže (2010)

Svatá čtveřice (2012)

Andělé všedního dne, 2014 (deutsch: Engel des letzten Tages)

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Auszeichnungen

Cena Jiřího Ortena (1993)

Magnesia Litera (2005)